Vom Nabel der Welt zur Kirche über den Wolken

Nach einer wunderbaren Nacht in der privaten Unterkunft ging es nach einem Kaffee raus aus dem beschaulichen Rübgarten und wieder mal durch einige in Nebel getauchte Waldabschnitte vorbei an der Schlossanlage Einsiedel. Durch den frühen Aufbruch war schwer abzuschätzen wie weit es heute gehen würde – Wetter und Füße stimmten aber zuversichtlich. 🌤️🍂🏃‍♂️

Manchmal ist der Weg kaum zu sehen…
… und führt kurz darauf kerzengerade neben einer Straße entlang. Einfach dem Schatten hinterher!

Anschließend ging es kilometerweit durch Tübinger Wälder bis ich schließlich das ehemaliger Kloster und Schloss Bebenhausen erreichte. 🏰 Hier gab es dann auch den heutigen Pilgerstempel und einige Gespräche über den Jakobsweg mit Tagesbesuchern der Anlage. Allgemein hatte ich heute das Gefühl das der Weg hier bei den Leuten präsenter ist als noch in den letzten Tagen. Scheinbar haben sich hier schon ein paar Pilger herverirrt. 😄

Schloss- und Klosteranlage vom Wall aus…
… und im Rückspiegel. Das Bild zeigt: Heut ging es ordentlich rauf und runter!

Nach weiteren Waldwegen und Gesprächen mit vorbeieilenden Eichhörnchen über den Sinn des Lebens blieben ich und meine Wegbegleiter 🐿️🦉🐌 in Ehrfurcht stehen. Vor uns lag der geographische Mittelpunkt Baden-Württembergs! Seit 1980 hochoffiziell vermessen! Die Beurteilung der künstlerischen Wertigkeit überlasse ich euch! 🤔

Nabel der Welt im Wäldchen nahe Tübingen

Nachdem ich in Tübingen angekommen war suchte ich die Jakobskirche auf. Eigentlich sollte sie verschlossen sein, stattdessen war sie geöffnet und der Orgelpianist spielte auch noch ein paar passende Stücke für ein spirituelles Krafttanken! Als dann auch noch im Vorraum eine frei zugängliche Toilette geöffnet war, war klar: Das kann kein Zufall sein! Ich zeigte meine Dankbarkeit durch Verweilen im Kirchhof, wo ich meinen Füßen eine kurze Verschnauf- und Lüftungspause gönnte und meine gestern gewaschene Unterhose über eine Bank zum trocknen in die Sonne hing. 🌞 Dies sorgte für einigermaßen irritierte Blicke bei der gegenüber sitzenden und strickenden Omi. 👵Letztendlich hatten wir wenig später beide unsere Ziele erreicht – sie ihre fertigen Wollsocken und ich meine trockene Zweitunterhose! 🎉 Anschließend ging es am Rathaus vorbei und dann über das Schloss Hohentübingen immer schön bergauf aus der schönen Stadt hinaus!

Tübinger Rathaus…
… und kleiner Einblick in die Jakobskirche.

Weiter bergauf durch Wälder ging es schließlich kurze Zeit bergauf um dann wieder steil auf eine Erhebung zu führen: Die Wurmlinger Kapelle. „Wieso soweit oben?“, fragte ich mich kurz und versuchte imaginär den Zusammenhang der schwindenden Besucherzahlen in Gottesdiensten mit einer solchen geografischen Lage in Zusammenhang zu bringen. 🤔⛪ Laut Sage wurde die Kapelle dort oben gebaut da der damalige Graf wollte, dass seine Leiche, nach seinem Tod, auf einen Ochsenwagen gelegt wird. Dort wo die Ochsen hielten sollte der Leichnam begraben werden. Eine Geschichte, die bei mehreren kirchlichen Gebäuden vorkommt. Angesichts der Tatsache, dass ringsherum die Landschaft schön flach war, erschloss sich mir lediglich eine Idee, woher der Ausdruck „Du Ochse“ stammt – aber das ist natürlich nur eine Vermutung 😄🐂 Bitte schaut euch bei Google mal die Bilder der Kapelle bzw. deren Lage an. Mit etwas Empathie könnt ihr nach den davorgelegenen heutigen 25km meine Gefühle sicherlich nachvollziehen.

Wurmlinger Kapelle von außen…
… und der Blick von oben ins Tal in Richtung Rottenburg/Neckar.

Zwar war die Kapelle dann auch noch verschlossen aber nach einigen Minuten Rast und einem Gespräch mit einer Besucherin kam zufällig ein örtlicher Pilgerbeauftragter mit einer 4köpfigen Reisegruppe aus Franken vorbei. Als er meine Muschel am Rucksack und den Pilgerstab sah wurde ich gleich als Paradebeispiel eines jungen Pilgers erklärt und allerlei Geschichten erzählt. Zum Glück hatte ich meine Marlboros noch nicht ausgepackt und so erhielt ich neben einer kurzen Führung (er hatte den Kirchenschlüssel dabei) auch noch ein Ständchen der Gruppe in der Kapelle – ein schöner Moment. ❤️ Leider waren alle seine privaten Herbergsbekanntschaften in Wurmlingen und Rottenburg ausgebucht oder verreist. Sonst wäre der Zufall perfekt gewesen. So sitze ich nun in einem kleinen Gästehaus in Wurmlingen und freue mich auf meinen weiteren Weg, der mich morgen in Richtung Rottenburg weiterführt. Gute Nacht und buen camino vom Weg der gelben Muschel! 🌠

2 Kommentare zu „Vom Nabel der Welt zur Kirche über den Wolken

  1. Wenn ich Deine „Doku“ so lese, habe ich das Gefühl, alles selbst erlebt u gesehen zu haben. Danke Michi, dass Du uns alle auf Deinem Camino mit nimmst und so zeitnah teilnehmen lässt. Unglaublich zeitaufwendig – ich weiß Deine Mühe zu schätzen. Lieb Dich ganz arg, fühl Dich umärmelt, pass auf Dich auf u Buen Camino, Bussi Mama

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  2. Lieber Michael, ich staune, wie aufwändig du hier deinen Camino dokumentierst. Ich freue mich natürlich sehr darüber, und reise ein wenig mit. Danke. Und die Wurmlinger Kapelle ist ein besonderer Ort, ich geh da gern immer wieder hin. Zu jeder Jahreszeit wunderschön.
    Wünsche dir weiterhin guten Weg, lieben Gruß, Rike Rumpelstilz 🙂

    Gefällt 2 Personen

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