Vom Kuchen, durch den die Sonne 3 mal scheint

Trotz spätem Start, da heute eine kürzere Etappe geplant war, zeigte sich die Gegend um Großbettlingen von seiner mystischen Seite. Gehüllt in Nebel führte der Camino auf den ersten Kilometern durch herbstliche Wälder und schöne schwäbische Landschaften.

Start im Waldpanorama…
… und weiter durch nebelverhangene Täler.

Weiter ging es nach Neckartailfingen, wo ich im Pfarrbüro an der Martinskirche, mit ihrem markanten schiefen Turm, meinen nächsten Pilgerstempel erhielt. Die Stempel sind die heimlichen Highlights vieler Pilger, und umso mehr freut man sich, wenn eine hübsche Darstellung von Jakob oder der Jakobsmuschel mit drauf ist. Es fühlt sich ein bisschen an wie die Bundesliga-Panini sticker – nur dass man nicht tauschen kann. Aber wir bezahlen das quasi durch die zurückgelegten Kilometer und Blasenpflaster 😉🏃‍♂️Zum Abschluss noch eine Notbrezel für den Rucksack eingekauft, falls es zu Verpflegungsengpässen in den nächsten Tagen kommt. Dass der heilige Jakob mir dazu noch die passende Geschichte mit auf den Weg liefert folgt nach den Bildern.

Ortsmitte mit schiefem Martinskirchturm
Pilgerausweis nach erfolgreicher Stempeljagd

Weiter ging es durch Wälder und vorbei an schönen Sonnenblumenfeldern. Ein bissle fehlen mir hier die bunten herbstlichen Weinberge des Remstals. Trotzdem staunte ich, als ich in Altenriet neben dem Rathaus eine große Brezelskulptur entdeckte. 🤔 Hatte Jakobus die Brezel in meinem Rucksack zum Verzehr befohlen und es war nach der Jakobsuhr im Wald bereits das zweite Wunder binnen kurzer Zeit? NEIN! Altenriet ist der Brezelort – hier wird dem schwäbischen Gebäck der Ruhm zu Teil, der ihm gebührt. Und das hat seinen Grund: Als ein eingekerkerter Bäcker (er war geizig und hatte sein Mehl mit Kalk gestreckt) vom Burgherrn die Auflage bekam, für seine Freilassung einen Kuchen zu backen, durch den die Sonne 3 mal scheint, wurde die Brezel erfunden! Heureka und Mahlzeit!

Sonnenblumenfelder begleiten den Weg…
… bis zur Brezelcity Altenriet 🥨❤️

Daraufhin ging es weiter bis zu meiner privaten Pilgerunterkunft im Hause eines Ehepaares im beschaulichen Rübgarten. Die Dame ist selber bereits in mehreren Etappen von Zuhause nach Santiago gelaufen und bietet nun auf Spendenbasis ein Gästezimmer mit tollen Gesprächen, einem gemeinsamen Glas Wein und vielen Geschichten über den Camino und die Welt. Eine tolle Erfahrung und neben dem Weg das erste größere Pilgergefühl. Schauen wir mal wies weitergeht. 🙏🏃‍♂️Buen Camino und passt mir auf die Brezel auf! Guds Nächtle 🌟

Beste Verpflegung und gute Gespräche – da können die Hotels einpacken!

Montag ist Schontag!

Mit diesem Motto startete ich in den Tag. Ein kurzes Frühstück mit Kaffee und Weckle und zack auf den Camino in Plochingen. Da der Weg direkt vor der Tür verlief konnte ich Herrn Hundertwasser recht bald, begleitet vom Neckar, zum Abschied winken.

Rückblick auf Plochingen mit Hundertwasserhaus

Weiter ging es durch Wernau. Nach der kurzen Hoffnung auf den ersten Stempel des Tages hatte das Pfarrbüro leider montags geschlossen 🤔 Stattdessen ging es bergauf, zu einem Wegekreuz mit schönem Blick ins Tal und anschließend an Bauernhöfen vorbei in Richtung Bodelshofen. Dort gab es dann tatsächlich die erste Jakobskirche meines Weges – leider geschlossen. Nanu ist der Schontag hier etwa auch weit verbreitet?

Bis jetzt klappt es mit diesem Wunsch 🍀🙏🌤️
Jakobskirche in Bodelshofen

Weiter ging es kilometerweit durch ruhige Herbstwälder, wobei mir dabei tatsächlich das erste kleine Wunder passierte. Ich bin mir relativ sicher Jakobus hat die Uhr selbst höchstpersönlich, auf seinem Streifzug durch schwäbisches Waldgebiet dort aufgehängt. Er sollte nur mal wieder die Batterien tauschen 😉.

Die sagenumwobene Walduhr
Der Herbst hat den Camino im Griff

Anschließend kam dann aber eine wirklich schöne Überraschung. Als mein Trinkwasservorrat zur Neige ging und ich um die nächste Waldkurve bog, traf ich auf den Jakobsbrunnen, der auf Nürtinger Gebiet steht. Ein Schluck aus der Quelle und schon ging es wie beim Roadrunner durch die Wälder. MeepMeep!

Der Jakobsbrunnen…
… als spirituelles Doping!

Als Entschädigung dafür, dass ich in Frickenhausen kein Nachtquartier fand, gab es wenigstens einen offenen Metzger! Was dem Spanier sein Tapa, ist dem Schwabe sein Fleischkäsweckle. Mahlzeit! Als die Frickenhausener Kirche dann tatsächlich geöffnet war und es einen wunderbaren Stempel für meinen Pilgerpass gab, war ich mit dem Städtle wieder im Reinen. ❤️

Schöne geöffnete Kirche in Frickenhausen…
… inklusive toll verziertem Stempel.

So ging es dann bis zur Unterkunft in einem freien Hotel in Grossbettlingen nochmals 6km durch Wald und Streuobstwiesen. Dadurch sammelten sich heute 28.8km, was also leider genau nicht dem entsprach, was ich für den Schontag eingeplant hatte. 😜 Für morgen habe ich allerdings vorgesorgt und über eine Kirchengemeinde ein Pilgerquartier bei einem Ehepaar bekommen. Bin gespannt und freue mich auf die kurze Strecke unter 20km. Meine Füße und die beiden ersten Blasen werden es mir danken. 🍀🙏☺️ Machts gut und euch allen einen Guten Weg und guds Nächtle!🏃‍♂️

Blick vom Geigersbühl, höchster Punkt der Gemeinde Großbettlingen.

Geglückter Start

Freunde des gepflegten Blasenpflasters, der Auftakt ist geschafft! Nach tränenreichem Abschied von meinen Liebsten in Grunbach (❤️) ging es um 13.00 Uhr los mit dem Tagesziel Esslingen.

Glücklicherweise und voller Freude fand ich das erste Muschelsymbol in Endersbach nahe dem Bahnhof. UNGLÜCKLICHERWEISE und voller Trauer folgte ich den Symbolen auf einer Alternativroute und landete schließlich in Strümpfelbach anstatt Stetten und das auf einer längeren Variante 🤔 SUPERUNGLÜCKLICHERWEISE war dann aufgrund des Starkregens der letzten Tage ein Waldabschnitt gesperrt. Doch der geübte Fährtenleser M. verfuhr gezielt nach dem Ausschlussprinzip, folgte 2 weiteren Wegen kilometerfressend ins Nirwana und marschierte schließlich, gelenkschonend im Stile einer Antilope, im Straßengraben der Landstraße querfeldein in Richtung Aichwald. Ab dort war dann aber auch wirklich wieder eine super Beschilderung vorhanden, sodass ich schliesslich stolz am Abend in Plochingen ankommen durfte.

Aus geplanten 17km zum schonenden Einstieg wurden dann doch 21.5km. Aus Esslingen wurde Plochingen. Aus einer einfachen Pilgerunterkunft wurde aufgrund mangelnder Alternativen dann doch ein kleines Hotel. Die Füße und den Rücken freut das aber. 😉 Und mal schauen, Montag ist ja Schontag, vielleicht klappt es ja dann morgen mit einem langsamen Einstieg. Es folgen noch ein paar Bilder vom Sunny Sunday in beautiful Remstal. Mehr ist nach dem Tag leider nicht drin, Freunde des gepflegten Blasenpflasters! GRACIAS und bis evtl. morgen 😉🏃‍♂️ buen camino!

PS.: WETTEN, WANN ICH DEN ERSTEN ANDEREN PILGER TREFFE, WERDEN NOCH ENTGEGENGENOMMEN 🍀🙏