Was für ein Tag

Es begann harmlos und gutgelaunt in der kirchlichen Herberge, wo ich noch ein kleines wunderbares Frühstück bekam. Ausgeschlafen und gestärkt ging es dann los. Eigentlich wollte ich noch im örtlichen Kaufhaus nach einem Pilgerführer für die Strecke von Vezelay nach St.Jean Pied de Port suchen, da mir dieser noch fehlt. Als ich aber merkte dass das Kaufhaus erst um 10.00 Uhr aufmachte und es eher nach Klamotten, als nach ausführlicher Pilgerliteratur aussah, entschied ich mich direkt durchzustarten, zumal ich noch keine Unterkunft hatte.

Bye bye Belfort 🙋‍♂️

Anfangs noch bei erträglichem Wetter entwickelte sich dies relativ schnell ins Unangenehme. Dauerregen und ordentliche Windböen sorgten für ein frostigfeuchtes Pilgervergnügen an dem ich ordentlich zu knabbern hatte.

Durchnässte Ausrüstung…
… und durchnässte Wege soweit das Auge reicht.

Dann nach knapp 20km, als ich immer noch keine Rückmeldung von meiner erwählten Unterkunft erhalten hatte, versuche ich es erneut. Mit Erfolg, oder auch nicht – heute gibt’s dort KEIN Bett für mich. Also dem Ratschlag des Herbergvaters gefolgt und ’nur 5km weiter‘ angefragt – die gleiche Antwort. Also nochmal ’nur 7km‘ weiter und die letzte Hoffnung auf eine Unterkunft auf einem Pferdehof – Yes hier klappt es! Glücklich über die Unterkunft aber frustriert, dass mir in diesem Sauwetter um die insgesamt 40km blühten band ich mir die Schuhe und stellte fest, dass der linke Schuh einen schönen großen Riss hat. Wirklich Camino? 🤦‍♂️Man sagt der Weg gibt dir nicht was du willst, sondern was du brauchst. Ich brauchte dann heute wohl 40km, wenig Pausen, einen kaputten Schuh und ordentlich schlechtes Wetter mit starkem Wind. 🌬️🍃

Weiter geht’s!

Der Weg führte mich dann an einem Bauernhof vorbei und durch eine ca 10cm dicke rutschige Matschschicht. Nach 20 Metern Gerutsche und Gewürge durch den Dreck war dann plötzlich der Weg abgesperrt. OKAY, kenne ich aus dem Schwarzwald – einfach über die Absperrung und weiter. Dachte ich nur, denn nach weiteren 20m kam eine Stacheldrahtbarrikade über den gesamten Weg. 🤔 Gut also entweder hat hier jemand Angst vor einer Invasion oder mag einfach keine Pilger. 🤷‍♂️ Also alles wieder zurück durch die Suppe – mein linker Fuß, Dank schönem Loch im Schuh, jauchzte vor Erhabenheit im Angesicht des Dreckgemischs. 👟💣

Bild vom Schuh (bereits in Unterkunft)

Dann wurde es relativ schnell dunkel und wenigstens gab der Regen auf. So leuchtete ich mit meiner Handytaschenlampe schwenkend, und auf der wenig befahrenen Straße laufend in die französische Nacht. 🌙🇲🇫 Schließlich fand ich, komplett im Dunkeln, meinen Weg zur Unterkunft, wurde von einem alten Schweizer Ehepaar freundlich empfangen und nach Dusche auch zum Abendessen gebeten. Einige kleine Gläser Wein später sitze ich nun auf meinem Bett und schreibe die letzten Zeilen für heute. Morgen bitte ein bisschen weniger Drama, lieber Camino. Über Schuhe und alles weitere mache ich morgen vielleicht Gedanken. 🥴🛌

Danke liebe Füße dass ihr mich heute über 40km getragen habt! Gute Nacht und buen camino! 👟🏃‍♂️🌠

Schlaf gut!

Ein Kommentar zu „Was für ein Tag

  1. Oh je Du Armer, es kann nur besser werden mit dem Wetter. Ich sprech mal mit Herrn Petrus 😊, er schickt Dir hoffentlich für Deinen morgigen Camino paar Sonnenstrahlen. Halt die Ohren steif, behalt Deinen Humor u buen Camino. Guads Nächtle mei „Jockele“ würde jetzt Deine Oma sage 🌔⭐️💫🌔,

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