Rückblick aus kalorienreichen Gründen

In der Nacht von Dienstag (19.11.) auf Mittwoch (20.11.) gehe ich nachts noch kurz auf die Terrasse vom Pilgerparadies. Im Ort sind alle Laternen abgeschaltet. Die Lichtverschmutzung in den kleinen französischen Orten hier ist praktisch nicht vorhanden. Keine Geräusche sind zu hören. Am Himmel sieht man jeden Stern glasklar – unglaublich. Ich bleibe einfach ein paar Minuten stehen und staune. Währenddessen sehe ich 2 Sternschnuppen. 😍🌠🌠 Danke für die Grüße da oben – passt gut auf euch auf. ❤️

Am nächsten Morgen geht’s los – mit schwerem Herzen verlasse ich dieses liebenswerte Plätzchen am Camino. Was am Anfang noch frostig beginnt entpuppt sich bald als der perfekte Caminotag. Die Sonne scheint nahezu komplett durch. 🌞🙏Auf langen Waldabschnitten begegne ich keiner Menschenseele und genieße die Ruhe.🌳🤫

Ein kühler Start… ❄️
… und Sonnenschein am restlichen Tag. 🥳

Die Etappe ist mit unter 23 Kilometern überschaubar. So erreiche ich bereits am frühen Nachmittag das schöne Städtchen La Charité-sur-Loire, mit seiner eindrucksvollen Brücke über die Loire. In der Herberge bin ich alleine, die Dame, welche die Zimmer vergibt ist aus Deutschland, erzählt mir allerlei spannender Geschichten aus ihrem Leben und über die Stadt. Die Herzlichkeit ist nahezu greifbar. Ich habe etwas Hunger und möchte gleich in die Stadt – da klopft es und ich bekomme Sandwich, warmen Kaba und eine Banane aufs Zimmer serviert. 🥪🍌☕ Danke! ❤️

Blick auf Stadt mit Brücke und dem Fluss Loire…
… und Blick in mein Zuhause für eine Nacht! 😊

Danach dann aber los in die Stadt ein bissle was einkaufen, da beim Zimmer kein Abendessen sondern nur Frühstück mit drin ist. So laufe ich schließlich vollbepackt mit allerlei Quatsch (Sandwiches, Nudelsalat, Minisalamis, Baguette, Chips, Fanta und jeder Menge Obst) zurück zur Unterkunft. 🏃‍♂️ Dort sagt die Dame dann plötzlich dass sie mir gerne Bratkartoffeln mit Spiegeleiern machen würde zur Stärkung. Ich schaue kurz auf meine riesen Einkaufstüte – und nehme dankend an. 😂🙏 Nach dem wunderbaren Essen und weiteren Gesprächen bin ich platt. Ich lege mich dankbar und satt gegen 20 Uhr ins Bett. Um Mitternacht wache ich auf. Mir wird klar dass ich die ganzen Sachen auf keinen Fall morgen in den Rucksack bekomme – und so entschließe ich mich zu einem ausgedehnten Mitternachtssnack mit Salami, Baguette, Schokobrötchen, Fanta und Chips. Aufgabe erledigt. Der Rest passt in den Rucksack. 🥳😘 Die Schlaf- und Essensparaden sind auch der Grund, warum der Bericht erst heute kommt.😜 Bericht Nr. 2 folgt voraussichtlich nachher – ich habe nun ein Date mit der Herdplatte, sowie mit Pesto und Nudeln. Buen Camino! 🏃‍♂️🌠

Wunderbares La Charité-sur-Loire

Pilgerparadies Arbourse

Ein waldreicher Tag liegt hinter mir. Nachdem mich der Herbergsvater von gestern zu meinem gestrigen Endpunkt gebracht hat starte ich in den nebeligen Morgen. 🌳🌲🌿 Die Landschaft ist ruhig – auf vielen Wiesen sehe ich zahlreiche Rehe fressen – mal 100 Meter, mal 200 Meter entfernt. Als sie mich sehen springen sie weg – ihre weißen Hinterteile blitzen als Warnsignal auf und sie verschwinden in Richtung Wald. Ich auch, nur dass meine Warnsignale weiterhin rote Regenjacke und gelbes Rucksackcape sind. 😉👣

Über farbenprächtige Waldwege…
… geht es immer weiter in den Wald hinein.

Kurz denke ich noch über die gestrige Unterkunft nach. Aber vielleicht war sie einfach nochmal eine gute Rückbesinnung auf die Einfachheit des Weges. Letztendlich hatte ich ja ein warmes Zuhause, ich konnte duschen, konnte mir etwas kochen. Mehr brauche ich ja auch nicht. Das Laufen macht den Kopf frei und ordnet die Gedanken von gestern richtig ein. 🙏

Im nächsten etwas größeren Ort kaufe ich im Supermarkt neue Spaghetti, Pesto und etwas Obst ein – damit ich auch heute Abend was Kleines kochen kann und der Motor weiterläuft. Als ich mir am Eingang noch eine köstliche Fanta reingieße hält ein älteres Ehepaar, fragt interessiert nach meinem Weg. Lachen, Freude, gute Wünsche und weiter. Der Jakobsweg verbindet. Menschen, Orte, Länder, Kulturen. 🌍❤️ Seit 20 Tagen zeigt mir ein fremdes Land seine Gastfreundschaft, Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten. 🇨🇵

Weitere 10 Kilometer später erneut ein kleiner Ort. Kurz überlege ich einen Bushaltestellenstop einzulegen, laufe dann aber doch erstmal weiter. Plötzlich ein Straßencafé. Mit dick belegtem Salamibaguette, Espresso und Limonade sitze ich am Tisch an der Straße. Ein Hauch von Freiheit weht durch mich und den Ort. Perfekt. ☕🥖

Nochmal über einige Feldwege…
… und durch einsame Wälder.

Schließlich erreiche ich meine Herberge im kleinen Örtchen Arbourse. Ungefähr 100 Menschen leben hier. Hinter dem Rathaus ist die Pilgerunterkunft. Der stellvertretende Bürgermeister öffnet mir und zeigt mir alles. Kurz bin ich sprachlos. Das kleine Häuschen mit 4 Betten bietet ALLES was das Pilgerherz begehrt. Miniküche, saubere Dusche und Toilette, einen kleinen Vorratsschrank mit diversen Gerichten und Getränken. 🍲🍻 Mit Edding sind die sehr günstigen Preise draufgeschrieben, im Eck steht eine kleine Kasse auf Vertrauensbasis. 😍🙏 Zur Feier des Tages gönne ich mir erstmal eine Dose Bohnen mit Würstchen. Später mache ich mir dann trotzdem noch die Nudeln – was muss, das muss! 😜 Der Bauch ist voll – aber ein kleines Bierchen passt noch rein. Für die Unterkunft an sich bezahle ich 10 Euro – unglaublich toll! ❤️ Wünsche euch einen schönen Abend und buen camino! 🏃‍♂️🌠

Eingansberich zur Herberge… Für Sommerpilger gibt es sogar einen Grill. 🥳
Blick in die Schlafecke…
… und Prost! 🍻

Spaghetti-Pilger

Bis 8.00 Uhr lag ich im Bett – Pilgerwinterschlaf in Vézelay!🛌 Aber das aus gutem Grund, denn bei der Herberge, in der ich heute unterkommen wollte, war erst ab 17.00 Uhr jemand da und auf dem Weg waren keine Möglichkeiten beschrieben, die eine vielversprechende ‚Zeitfüllmethode‘ dargestellt hätten. 🤔 Da ich in der Herberge heute auch selber kochen sollte ging es erstmal nochmal in einen Minimarkt in Vézelay! Okay, nach 2 Tagen Spaghetti gibt’s heut – Spaghetti! Aber mit Tomatensoße, Variation muss sein und schon St. Jakob schwörte Gerüchten zufolge auf die Power von Spaghetti Napoli. 🙏🍝 Man merkt schon am Gewicht des Rucksacks wenn man eingekauft hat. 🥴 Trotzdem ging es locker flockig, den Pilgerstab ‚Jakobus 3000‘ schwingend, los durch die Wälder von Vézelay und Umgebung. 🌲🍂🌳

Ab durch die Hecke… 🌿
… und auch von kleinen Pfützen nicht aus der Ruhe bringen lassen! 🐟

Ohne Regen, aber auch ohne Sonne ging es weiter durch Wälder und über Felder – die kleinen Miniorte ließen nur kurze Pausen zu. Allerdings sind seit Vézelay deutlich öfter echte Jakobsmuscheln an Laternen und Masten angebracht – sieht super aus! Noch mehr entzückten mich aber die Schilder mit der Aufschrift ‚Chasse interdite‘ (Jagen verboten)! Da habt ihrs ihr Jägerlumpen! Ich fordere dieses Schild neben jedem Jakobswegweiser! 😜🦌🌲

Oh yes! ❤️
Ob die Km-Angabe wohl stimmt? 🤔

Letztlich kam ich nach gut 30km wohlbehalten an meinem heutigen Ziel an. Da die Unterkunft weit abseits des Jakobswegs, in einem anderen Ort liegt, wurde ich abgeholt, worüber ich mich sehr freute – auch weil es zum Schluss zu regnen begann. Über die Herberge möchte ich jetzt noch Nichts schreiben – erstmal mindestens eine Nacht drüber schlafen. Aber soviel sei gesagt: In der Unterkunft in Vézelay habe ich mich wohler gefühlt 😜 Trotzdem verdankt ihr den heutigen Tagebucheintrag der Herberge – eigentlich wollte ich pausieren, aber da ich ins WLAN komme gab es eben doch ein paar Bilder und Zeilen 😀 guds Nächtle ihr Lieben und buen camino! 🏃‍♂️🌠

Klassisches Burgunder Camino panorama. 👣
Zum Schluss noch kurz ein paar Sonnenstrahlen bevor der Regen einsetzte. 🌥️🌧️