Hunde, die bellen, pilgern nicht

Nach einem kurzen Frühstück verabschiede ich mich heute von meiner Unterkunft auf dem Bauernhof. Ein letzter Blick in den Kuhstall und dann ab auf den Camino. 🏃‍♂️ Die Sonne scheint, wunderbare Aussichten für einen, mit 25 Kilometern, überschaubaren Tag. 🌤️

Ciao Freunde! 🐄
Und im Sonnenschein über die nassen Wege – heute Nacht hat es ordentlich geregnet! 🌧️

Bereits am ersten Waldabschnitt nach Sault-de-Navailles geht es nicht weiter. Die Unwetter der letzten Wochen haben hier zahlreiche Bäume umgeknickt, ein Warnschild weist darauf hin, dass es ’strengstens verboten‘ ist weiter zu gehen. Beim Schild muss ich an den Räuber Hotzenplotz denken. Allerstrengstens verboten! Dann gehe ich eben wieder mal einen Umweg über die Landstraße – strengstens erlaubt aber allerstrengstens anstrengend mit so vielen Autos. 🚚🚗🚙 Zum Glück nur für einen Kilometer, bis ich hinter dem Wald wieder über verschiedene Feldwege den Jakobsweg erreiche.

Strengstens verboten! 🕵️‍♂️

Dann geht es problemlos und trockenen Fußes bis nach Orthez. Über eine alte Steinbrücke erreiche ich die Stadtmitte, decke mich mit neuen Blasenpflastern, Fanta und Schokoriegeln ein und laufe weiter. Kurz darauf fängt es an zu regen, 🌧️ Regenjacke raus, anziehen, schwitzen, weiterlaufen, weiterschwitzen. Nach 10 Minuten hört es auf zu regnen. Also alles wieder zurück auf Start. 😜

Über die alte Brücke geht’s nach Orthez 🌤️🙏

Dann rücken immer wieder die Pyrenäen ins Blickfeld, die langsam am Horizont wachsen. Sie reichen phasenweise über die komplette Sichtweite. 😍🏔️

Die Pyrenäen im Blick 👀👣

Dann wird es sogar nochmal spannend. Vor einem Bauernhof höre ich lautes Gebell. Dann sehe ich 4 Hunde vor mir. Einer davon recht groß, die anderen eher Marke Zwerghamster.🐹 Natürlich baut sich der Große erstmal auf dem schmalen Weg vor mir auf und bellt ordentlich – dazu ein paar Hopser von links nach rechts. Okay, vielleicht kommt der dazugehörige Bauer ja gleich ums Eck? Negativ! Außen rum? Nicht möglich! Dann eben wieder mal den guten Pilgerstab vor mich halten und langsam versuchen am Hund vorbeizukommen. 🐕 Noch 2 oder 3 mal wird gebellt – dann entscheidet er sich einfach mit mir mitzulaufen. Das Bellen ist mit sofortiger Wirkung eingestellt! BELLEN ALLERSTRENGSTENS VERBOTEN! Denn Hunde, die bellen, pilgern nicht. So läuft der Gute dann mit mir ein paar Kilometer hinunter ins Tal bis nach L’Hopital-D’Orion. Sogar meine Pause an der Bushaltestelle macht er mit. Am Ortsausgangsschild bleibt er dann stehen, schaut mir traurig hinterher und unsere Wege trennen sich. Kurz darauf komme ich in meiner Unterkunft an und habe Tag63 erfolgreich geschafft. Ich wünsche euch einen schönen Abend und buen camino! 🏃‍♂️🌠

Kurz nach dem Kennenlernen… 🐶
Und bei der gemeinsamen Pause an der Bushaltestelle 😇🐕 PS: Ich hätte dich auch ohne die aggressive Begrüßung mitlaufen lassen…

Von Stierkämpfern und Hochgebirgen

Dauerregen war angesagt für heute – mein rotes Regencape freute, sich nach den letzten trockenen Tagen, auf seinen Einsatz. Und so ging es los bei leichtem Regen auf die 31 Kilometer lange Etappe. Nach ca. 10 Kilometern hörte es bereits auf zu regnen und ab und zu zeigte sich sogar kurz die Sonne. Es gibt schlimmere Überraschungen und so vergingen die einsamen Kilometer durch Wald und Wiesen recht zügig. 🏃‍♂️🥳

Als der Regen aufgehört hat 😍🙌
Und ein paar Meter im Sonnenschein 😎

Nachdem ich an einer Bushaltestelle meine erste trockene Pause inklusive Fußlüftung erfolgreich absolviert habe hält im nächsten Ort ein kleiner Bus neben mir. Der Fahrer, der Hausmeister der Gemeinde, fragt mich ob ich gerne einen Kaffee hätte. Sehr gerne! 😍 Er lässt mich in die Basketballhalle und schmeißt die Kaffeemaschine an. Nebenher zeigt er mir, dass der Basketballboden nur aufgelegt ist. Darunter befindet sich ein anderer Boden – hier finden Stierkämpfe bzw. Stiershows statt. Er zeigt mir ein Video und auch die Boxen in der Sporthalle, in der die Stiere bei den Veranstaltungen stehen. Das hat recht wenig mit den Stierkämpfen aus Spanien zu tun, an die ich erst dachte. Vielmehr ist es eine Mischung aus Akrobatik und Wahnsinn. Die Torreros springen mit Salti und Schrauben über die heranrasenden Stiere oder weichen diesen aus. Angenehmer für die Tiere, ohne Leid und Verletzungen, aber ganz schön gefährlich für die teilnehmenden Männer. 😳 Wer wissen möchte wie das aussieht findet Infos und Videos (Google/Youtube) unter dem Stichwort ‚Course Landaise‘. In jedem Fall eine schöne kurze kulturelle Überraschungspause inklusive Kaffee. 😎👌

Füße lüften beugt neuen Blasen vor 👌
Die beschriebene Sporthalle – Hinter dem Basketballkorb sind die Boxen der Stiere für die Wettbewerbe zu sehen. 🐂

Danach geht’s weiter, der Himmel behält den Regen oben und so erreiche ich ca. 5km vor Ende des heutigen Tagesziels mein letztes Department in Frankreich: ‚Pyrénées-Atlantiques‘. Nun bin ich also auch offiziell im französischen Baskenland und habe nach einer Kurve plötzlich einen ersten beeindruckenden Blick auf die Pyrenäen. Dahinter liegt Spanien. Cool! 😍 Vom Remstal aus also immerhin schonmal bis an die Pyrenäen! Zumindest fast, denn 3 bis 4 Tage sind es noch, dann sollte ich direkt davor stehen. 🏔️

Erster Blick auf die Pyrenäen

Nach diesem Motivationsschub vergehen die restlichen Kilometer locker. Letztendlich habe ich heute zwar eine überteuerte private Herberge (Chambre d’hôtes) aber da nichts Anderes möglich war beiße ich in den ’sauren Apfel‘ und genieße das enthaltene Abendessen und die Möglichkeit einer Waschmaschine! 😜 Da sich das Ganze auf einem Bauernhof befindet gibt es außerdem allerlei tierische Gesellschaft! 🐮🐱🐔🦆 Euch allen ein schönes Wochenende und buen Camino aus Sault-de-Navailles. 🏃‍♂️🌠

Hey Kitty! 🐈

Rückblick 18./19.12. vom Burgerwunder im Sonnenschein

Am Donnerstag 18.12. strahlte die Sonne, als ich mich über Waldwege auf dem Camino bewege. Fast frühlingshaft ist das Wetter, keine Spur von Winter, Regen oder gar Schnee. Bei 15 Grad laufe ich fröhlich vor mich hin – es sind ohnehin nur knapp 21km von Roquefort bis nach Bougue. In einem kleinen Ort tuckert ein Auto hinter mir her – nanu? Ich lasse doch genug Platz zum Vorbeifahren? Als die ältere Dame dann langsam vorbeirollt hält sie an, wünscht mir einen guten Weg und sagt mir ich solle doch im nächsten Ort in der Kirche vorbeischauen, dort wäre im Nebenraum ein Pilgerstop eingerichtet. Danke! ❤️🏃‍♂️ Als ich dort ankomme gibt es alles was man sich für eine kurze oder längere Pause wünscht. Kaffeemaschine, Wasserkocher, sogar eine Mikrowelle! Ich mache mir einen Tee, setze mich aufs Sofa und freue mich über diese coole Einrichtung der Kirche!⛪

Von der Sonne begleitet…
… vorbei an den Hinterlassenschaften der Jäger…
… bis zum liebevoll eingerichteten Pilgerstop! 👣

Nach dieser kleinen überraschenden Pause vergeht der Rest wie im Flug. Bereits am frühen Nachmittag stehe ich im örtlichen Café um die Schlüssel zur kommunalen Herberge abzuholen. Bei dieser Gegenheit kaufe ich dort auch noch gleich etwas ein. Ein Regal mit Lebensmitteln dient als Minisupermarkt. BAGUETTE! 🥖Und auch etwas Gemüse in Dosen, dann geht der Reis später besser runter. 😜 In der Herberge zögere ich das Kochen dann immer weiter hinaus. Lieber suche ich nach Unterkünften für die nächsten Tage – schwierig vor Weihnachten! 🙄 Als ich mit dem Telefon vor der Tür stehe sehe ich einen kleinen Truck der direkt vor der Unterkunft auf dem Marktplatz parkt und aus dem ein wunderbarer Geruch in meine Richtung weht. Das war der Beginn des ‚Burgerwunders von Bougue‘. 😂🍔 Der Reis und das Gemüse müssen noch einen Tag warten!

🙌

Mit viel Power durch die wertvolle Pilgernahrung starte ich am nächsten Tag meine Etappe. Zwar zeigt sich die Sonne nur selten, allerdings bleibt es trocken. So laufe ich fröhlichen Pilgerschritts mit trockenen Füßen durch die französischen Wälder in Richtung Saint-Sever.

Nach 31 Kilometern komme ich gut an, allerdings auch etwas platt, da Saint-Sever etwas erhöht liegt. Ich bekomme die Schlüssel im Tourismusbüro und suche die Herberge. 🏃‍♂️Vor dem Gebäude wartet bereits der holländische Hosptalier, der ehrenamtlich als Nachbar mithilft. Obwohl ich sein Französisch besser verstehe als sein Deutsch überfrachtet er mich auf Deutsch mit Informationen und Hilfestellungen. Kurz bin ich erschlagen. Als ich ihm sage, dass ich für Freitag eine relativ teure Unterkunft habe weil alles ausgebucht oder geschlossen ist zückt er sein Handy und will irgendwo anrufen. Eine Herberge abseits des Caminos, eine komplett andere Route – ‚Kein Problem‘, wie er meint. Ich bin froh, dass es nicht klappt. 😂👌Danach noch den Tip doch einfach morgen mit einem Bus nach XY zu fahren: ‚Von dort ist es dann kein Problem mit den Herbergen.‘ Auch diese Hilfestellung lehne ich dankend ab, ebenso wie den Hinweis, dass man hier auch sehr gut trampen kann, welchen ich allerdings stillschweigend abnicke. 🤷‍♂️🥳 So schafft es dann letztendlich nach der Informationsflut auch der Reis und das Gemüse in meinen Bauch, ebenso wie das tägliche Baguette. Ich spüre wie sich die Baguette-DNA in mir erweitert! 😜🇨🇵🥖 Soviel zum Rückblick, wenn das Internet heute durchhält gibt es nachher den aktuellen Tagesbericht. Soweit aber schonmal buen camino! 🏃‍♂️🌠

Vor der Unterkunft in Saint-Sever