Einmal geradeaus und dann immer weiter

Der Montag verläuft unspektakulär. Nachdem ich Bazas mit seiner Kathedrale verlasse geht es auf einen Rad-/Wanderweg der einfach nur geradeaus führt. Kilometer um Kilometer durch Wälder während sich ab und zu die Sonne zeigt.🌞 An den Seiten dieses Weges, der sich in tollem Zustand befindet, stehen in regelmäßigem Abstand Bänke und Sitzgruppen. So geht’s von Pause zu Pause etwas eintönig knapp 19 Kilometer entlang, bis ich meinen Zielort Captieux erreiche. 🎉

So ging es am Montag die gesamte Wanderung. 🥳
Und zum Feierabend gab’s ein kleines Bierle 🍺

Aus Captieux raus ging es dann heute ebenfalls über einen Radweg, allerdings weitaus weniger gut in Schuss. Der Untergrund mit ordentlich Schlaglöchern und viel Geröll fordert sowohl Fußgänger als auch Radfahrer ordentlich heraus. Rund 10 Kilometer einfach nur geradeaus, bis sich endlich mal ein bisschen Abwechslung, in Form von Kurven, bietet. Im Departement Landes gibt es das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas. Da hatte Napoleon seine Finger im Spiel! Und ich laufe wohl mitten durch all seine Bäume – denn überall sind Wälder und ich scheine gar nicht mehr herauszukommen. 🤷‍♂️🌳🌲

Immer weiter geradeaus…
… bis mich schließlich das Departement Landes begrüßt. 🏁

Heute sieht es auch mit den Bänken eher mau aus – bei der ersten Chance nach knapp 15 Kilometern gönne ich mir eine Pause und drapiere ein kleines Pilgerkunstwerk auf der Bank. Vielleicht nimmt es der Wind mit, vielleicht entdeckt es ein anderer Wanderer oder Pilger – so oder so – weiter geht’s! 🏃‍♂️

Pilger mit Kunstwerk 😎🎨

Danach geht’s immer weiter in die Wälder rein, der Radweg endet und es geht nur noch für die Wanderer weiter. Immer wenn ich denke es müsste doch mal langsam geradeaus in Richtung Hauptstraße nach Roquefort weitergehen macht der Weg eine neue Kurve oder Schlaufe durch den Wald. Dadurch zieht sich das Ganze ziemlich hin, sodass ich letztlich heute knapp 36 Kilometer hinter mir lasse. Dann kommt endlich die Stadt. Kurz den Schlüssel der örtlichen Herberge in einem Café abgeholt und dann ab in das heutige Zuhause. Duschen, etwas einkaufen und heute nur eine kalte Mahlzeit. Die Herdplatte hier funktioniert nicht richtig – ebenso wie die Dusche nur kaltes Wasser zu bieten hatte. 🥶 Deswegen gibt’s Salat, Sandwiches und Kekse. 😎Meine Füße machen im Moment auch etwas mehr Probleme als die sollten. Die Blasen wachsen, eine Ferse ist ziemlich offen. Ich muss schauen wie das weitergeht. Mit den Blasenpflastern komme ich momentan nicht sehr weit. 👣🤷‍♂️ Hoffen wir das Beste, morgen werden es dann auch ein paar Kilometer weniger als heute – das Wetter darf aber gerne weiter durchhalten! Viele Grüße aus Roquefort und buen camino! 🏃‍♂️🌠

Ab durch die Wälder…
… bis nach Roquefort, meinem heutigen Ziel. 🏁

Ein Camino-Wochenende – auf Regen folgt Sonne

Der Samstag fängt an, wie die Tage zuvor. Regen über Regen. 🌧️ In manchen Teilen Frankreichs im Süden ist die Situation schon dramatisch, heftige Überschwemmungen, mehrere Tote, Tausende ohne Strom. Soweit ist es hier in der Gegend nicht, lediglich einige Felder stehen unter Wasser. Und nach einigen Kilometern auf dem Camino leider auch der offizielle Weg. 😪 Da hilft kein Jammern, keine Chance durch den ‚See‘ durchzulaufen. Ich laufe also zurück zur letzten Kreuzung und suche einen Umweg. Entlang der Landstraße finde ich eine Alternative, die mich über rund 23 Kilometer direkt zu meinem Zielort führt. Durch die Landstraße spare ich mir gleichzeitig einige Kilometer gegenüber dem offiziellen Camino, wenngleich es natürlich nicht sonderlich angenehm ist immer auf dem Grünstreifen neben den Autos zu pilgern. Aber das geht schon in Ordnung. 😎👍 Kurz vor dem Ende der Etappe kommt die Sonne raus und liefert mir Hoffnung für die nächsten Tage. Ob sie sich erfüllt? Wir werden sehen. ☀️

Keine Chance ohne Boot – hier geht es heute nicht durch. 🚣‍♂️
Danach auf der gewählten Umleitung immer entlang der Landstraße 🚗🚙
Und zum Schluss der Hoffnungsschimmer von oben. ☀️👌

Für heute ist dann nur eine kurze Etappe von 10 Kilometern drin, danach folgen große Waldgebiete, die ich am Jagdsonntag lieber nicht betrete. Also zurück auf die Landstraße. 🤭 Bereits beim Start deutet sich ein wunderbares Wetter an. WOW! 🤩☀️

Schöner Sonnenaufgang beim Verlassen der Unterkunft…
… und bei super Wetter einfach immer der Straße folgen. 😎

Hier und da bellt mich ein Hund an, ab und zu winkt ein Autofahrer und bereits vor dem Mittag bin ich in Bazas angekommen. Die Familie, bei der ich heute unterkommen kann, holt mich um 17.00 Uhr an der Kathedrale ab. Also habe ich genug Zeit für Kaffee, Sandwich und einen Blick in die große Kathedrale. 😍⛪

Kathedrale von Bazas
Ein Blick ins Innere 🧐

Im strahlenden Sonnenschein bei 15 Grad gehe ich in den kleinen Park neben der Kathedrale und nehme eine Holzbank ein. Ich kann im Longsleeve sitzen, die Füße baumeln lassen und einfach den Tag genießen. 🎉 Da hat der Camino sich den besten Tag und Ort ausgesucht mir eine Pause zu gönnen. 😍 Danke! Noch ein bisschen muss ich warten, dann werde ich hoffentlich abgeholt. Ich wünsche euch einen schönen 3.Advent und aus Bazas ein großes buen camino! 🏃‍♂️🌠

Blick auf meine Bank im Park an der Kathedrale ❤️
Sonnenbrille im Dezember und 15 Grad – so lässt es sich auch gut mal pausieren! 🙏

Freitag der 13.

Wie vorhergesagt regnet es, als ich am Morgen meine gemütliche Herberge in Pellegrue verlasse. Aber wenigstens nur leicht. 😊🌧️ Ich laufe ordentlich los, wie unter Strom, hinein in den Freitag den 13. – ob das was zu bedeuten hat? Ich hoffe nicht. 😉 Also vorbei an der alten Kirche und raus aus Pellegrue. 🏃‍♂️

Die historische Kirche in Pellegrue. ⛪
Und die Hinweise für Autofahrer doch bitte ’nur‘ mit 70 über die Feldwege zu brettern. Pilger auf dem Weg! 🤷‍♂️

Der Regen wird stärker, zwischendurch gesellt sich ein ordentlicher Sturm dazu, sodass es wieder etwas unangenehm auf dem Wintercamino wird. Trotzdem halten die Sachen heute gut trocken, der Himmel gibt dazu auch immer wieder kurze Verschnaufpausen. 👌Für eine wirkliche Rast fehlt es wieder an Möglichkeiten, sodass ich knapp 20 Kilometer durchlaufen muss, ehe ich an einer runtergekommenen Bushaltestelle meine verdiente Pause zelebrieren kann. Apfel, Schokoriegel und Co erfreuen mich und die vorbeifahrenden Autofahrer. 🙋‍♂️ Am Weg sehe ich davor außerdem neben unzähligen Weinbergen auch meine bisher höchsten Hochsitze. Wohin wollt ihr Jäger denn schauen? Bis nach Deutschland? UNGLAUBLICH 😳

Je höher der Hochsitz desto größer die Beute? Ich weiß ja nicht… 🦌
Dann wieder weiter über Wiesen – an den Seiten jeweils mit jeder Menge Reben. 🍇

Von der Bushaltestelle sind es nur noch knapp 7 Kilometer bis ans Ziel. Das bekomme ich auch noch hin, trotz schmerzender Füße – die neuen Schuhe machen sich immer wieder bemerkbar. 👣 Vom Berg aus sehe ich das Städtchen bereits im Tal vor mir liegen und wähne mich in Sicherheit! 🦸‍♂️

Kurz darauf endet der Weg an einem Haus, es geht nur in den Garten weiter. Dort ist allerdings ein Weidezaun. Ich schaue und schaue und sehe keinen Weg der mich runter ins Tal führt? 🧐 Plötzlich rennen 2 Mini-Hunde wütend auf mich zu. Erbsengröße. Die Furcht hält sich in Grenzen aber die beiden machen ordentlich Lärm. 🐹🐹 Eine Dame kommt hinterherherlaufen – und rettet eher die beiden Zwerge, als mich. Ich frage sie wo ich lang muss. ‚Unter dem Weidezaun durchkrabbeln!‘ Hä? 🥴 Sie meint es ernst, ich soll unter dem 60-70cm hohen, durchgängigen Zaun hindurch. Ich frage ob Strom darauf ist. Sie sagt ‚Normalerweise nicht‘. Das beruhigt mich. 😂 Ich berühre den Zaun und bekomme einen Schlag – erschrecke mich und fluche. Mein Blick sucht die Dame, doch die ist mit ihren beiden Zwergbibern schon über alle Berge – besser so! 😡 Also Rucksack abziehen, durchschieben und im Stile eines Spitzeneinbrechers unten durch. Erfolg! Kein weiterer Stromschlag für mich! Ist das alles was du zu bieten hast, Freitag der 13.?😜

Erster Blick auf La Réole…
… und nach meiner erfolgreichen Elektrikerprüfung kurz vor der Stadt. 🌁

Danach gibt’s keine weiteren Probleme, ich finde meine Unterkunft, kann etwas einkaufen und kochen, bekomme später noch ein Glas Rotwein aus Bordeaux und freue mich, den Regen von innen zu hören! Der Besitzer des Hauses erzählt mir er habe mich unterwegs gesehen, als er mit dem Auto gefahren ist ‚Krasses Tempo mit deinem Stock‘ – Danke, ich stand eben unter Strom! 💡Morgen dann eine neue Chance für den Weg, mich zu überraschen! Wie wäre es mit einem anderen Wetter? 😉 Davon ist leider nicht auszugehen. 🤷‍♂️🌧️ Euch allen ein schönes Wochenende und buen camino aus La Réole! 🏃‍♂️🌠

Guds Nächtle! 🛌