Die Kilometer schrumpfen

Von Sarria aus ging es am Samstag bei sehr wechselhaftem Wetter in Richtung Portomarin. Immer wieder gab es Regenschauer und stärkere Windböen. 🌬️🌧️ Wie erwartet nahm die Zahl der neuen Pilger deutlich zu. Mehrmals überholte ich unbekannte Gesichter, teilweise mit Minirucksäcken, teilweise mit Sandalen, teilweise in kurzer Hose unterwegs. 🙈😂 So lange ich irgendwie am Abend an ein Bett gelange ist das alles in Ordnung. 😜 Kurz nach dem Besuch in einer Bar erreichte ich, irgendwo im spanischen Nirwana, den magischen 100km-Stein. 🌠 Ab jetzt wird die Distanz bis Santiago also zweistellig. Schön und irgendwie traurig zugleich. Zur Belohnung gab’s am Abend ein gutes Pilgermenu, einen Vino Tinto und einen galizischen Orujo zum Abschluss des Tages. 🍷🍲

Aufbruch in Sarria 🏃‍♂️
Der berühmte 100km-Stein…
… und spannende, rutschige Pfade,…
… bis zur Kirche in Portomarin. 🙏⛪

Am Sonntag ging es dann von Portomarin ca. 25 Kilometer weit bis nach Palas del Rei. Da wir nicht sicher sind ob wir einen Platz in der Herberge bekommen, starten wir früh am Morgen, um zur Not noch weiterlaufen zu können. So geht die Sonne in unserem Rücken auf und weist uns langsam den Weg durch viele kleine galizische Dörfer (mit leider vielen geschlossenen Bars) und durch die galizischen Wälder. 🌲🌳🌿 Eine Mitpilgerin aus England hat unterdessen ihren Pilgerpass verloren und ist etwas aufgelöst. Das ist eine verzwickte Situation – ohne Pilgerpass keine Urkunde. Natürlich pilgert man in erster Linie nicht für ein Blatt Papier, aber als Andenken ist es eine schöne Erinnerung. Das Problem ist, dass sie nun mit einem neuen Pilgerpass die 100km nicht mehr zusammenbekommt. Pilger-Bürokratie vom Feinsten. 🙈 Sie nimmt es reeelativ gelassen – zumindest nach außen. Vielleicht findet sich noch eine Lösung? Eventuell ist es Zeit für ein kleines Caminowunder… Warten wir ab… 🙇‍♂️ Die Herberge ist am Abend mit 17 Personen voll ausgebucht. Es handelt sich um das ehemalige mittelalterliche Gefängnis – ein Ort mit interessantem Charme also. 2 Toiletten und 2 Duschen sorgen für ordentlich Stau zu den Stoßzeiten. Erste Bettwanzengeschichten machen nach dem zweiten Glas Wein die Runde. Nachdem eine internationale Truppe aus Korea, Deutschland, England und Australien die restlichen Weinflaschen pilgergerecht geleert hat, kehrt Ruhe ein. Von Bettwanzen bleibe ich bisher weiterhin verschont. 🙏😉 Dafür ist das Geruchslevel im Gemeinschaftsraum mittlerweile auf der 10er-Skala zwischen 8 und 9 Punkten. 🤯

Die Sonne im Rücken auf den ersten Kilometern… 🌄
Immer weiter vorwärts in Richtung Santiago 🌠
Begleitet von Jakobsfiguren…
… und Herbergskatzen. 🐈

Heute ging es dann von Palas del Rei rund 28 Kilometer bis nach Arzua. Der Koreaner Che liegt flach und nimmt den Bus. So bekommen wir bereits relativ früh Infos zum zufriedenstellenden Zustand der heutigen Herberge. 😎 Er verpasst aber etwas! Den Geruch der Eukalyptus-Wälder, die knarzenden Bäume, die gegen den starken Wind versuchen anzukämpfen und zahlreiche alte Brücken. Wenn diese Brücken reden könnten, was würden sie alles erzählen über leidende Füße, freudige Pilgerschritte, Glück und Hoffnung. Millionen Pilger im Laufe der Jahrhunderte, die hier teilweise entlang gelaufen sind – faszinierend. 🙏 In einer bekannten Pulperia in Melide genehmige ich mir eine Portion Pulpo, den gewürzten galizischen Oktopus mit Baguette. Hat mich nicht wirklich überzeugt – vor allem zum Preis einen kompletten Pilgermenus (9,50 Euro). Dann nächstes mal lieber eine ordentliche Paella. 😎 Es bleiben voraussichtlich noch 2 Tage bis Santiago. Schauen wir was passiert. Gute Nacht und buen camino aus Arzua!🏃‍♂️🌠

Galizischer Wald am Camino – für das richtige Feeling am besten an einem Eukalyptus-Bonbon riechen 😜🌳🌿
Eine der zahlreichen schönen Brücken am Camino Francés (hier vor Melide).
Horreo, spanischer/galizischer Kornspeicher
Pulpo – muss man einmal probiert haben. Mein Fall war es heute nicht wirklich. 😉🐙
Grüße aus dem Stockbett. In unserer Herberge heute: 4xKorea, 1xJapan, 1xRemstal 🏃‍♂️🌠

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