Jakobsweg

Was ist der Jakobsweg?

Jakobsweg: Grober Verlauf von Stuttgart nach Santiago

Der Begriff „Jakobsweg“ (span.: Camino de Santiago) umfasst das Netzwerk der europäischen Pilgerwege, welche zur Stadt Santiago de Compostela in Galizien im Nordwesen Spaniens führen. Das Wegenetz, welches sich durch ganz Europa zieht und teilweise bis nach Polen, Ungarn oder das Baltikum besteht und ausgeschildert ist, hat seine Wurzeln in vielen Fällen auf historischen Wegen, die seit dem Mittelalter bestehen. Als klassischer Jakobsweg wird oftmals die Strecke vom französischen Ort St. Jean Pied-de-Port, am Fuße der Pyrenäen, auf 800km Gesamtlänge, verstanden. Neben diesem Klassiker, der auch als Camino Francés bezeichnet wird, gibt es auch viele weitere traditionsreiche Jakobswege auf der iberischen Halbinsel (z.B. Camino Portuges, Camino del Norte, Camino Ingles, Camino Primitivo) Auf den historischen Wegen entstand an vielen Orten entlang der Pilgerstraße eine neue Infrastruktur inklusive vieler Klöster, Kirchen, Herbergen, Krankenhäuser und Brücken. Für viele Pilger endet der Camino übrigens nicht in Santiago, sondern es hat sich die Tradition entwickelt, den Weg am Kap Finisterre an der Atlantikküste zu beenden, dem Ort, der früher als das „Ende der Welt“ angesehen wurde.

Die Legende um Jakob und Santiago de Compostela

Kathedrale in Santiago (Quelle: Pixabay.com)

In der Kathedrale der Stadt befindet sich der Legende nach die Grabstätte Jakobs („Jakobus der Ältere“, span.: Santiago), der zu den zwölf Aposteln von Jesus gehörte und als Heiliger veehrt wird. Laut den Erzählungen wurde der Leichnam Jakobs, nach dessen Ermordung durch Herodes (44 n.Chr. in Jerusalem), auf einem herrenlosen Schiff in Richtung Spanien geschickt. Im Nordwesten der iberischen Halbinsel kam das Schiff an Land und das Jakobsgrab erhielt seinen Platz im heutigen Santiago.

Darstellung Jakobs auf Kirchenfenster (Quelle: Pixabay.com)

Im Laufe der Zeit geriet das Grab in Vergessenheit und wurde erst im 9. Jahrhundert durch eine Sternenlichterscheinung wiedergefunden, welcher ein Eremit folgte und dabei die Grabstätte entdeckte. In dieser Lichterscheinung wird auch der Ursprung des Namens Santiago de Compostela (lat.: campus stellae = Sternenfeld) vermutet. Nachdem sich daraufhin bereits im Mittelalter der Jakobsweg als große Pilgertradition etablierte, entfachte in der Neuzeit, spätestens mit der Ernennung 1987 zum ersten „Europäischen Kulturweg“ ein neuer großer Aufschwung. So entwickelten sich die Zahlen der in Santiago ankommenden (registrierten) Pilger stetig nach oben und durchbrach 2017 erstmals die 300.000-„Pilgermarke“. Zum Vergleich: 1978: 13 registrierte Pilger, 1988: 3.500, 1998: 30.000, 2008: 125.000, 2018: 325.000

Heute gehört Santiago de Compostela neben Rom und Jeruselem zu den größten Pilgerzielen und heiligen Städten des Christentums.

Die Jakobsmuschel

Pilgerausweis mit Jakobsmuschel und Wegzeichen

Als stilisierte gelbe Muschel auf blauem Grund ist die Jakobsmuschel das bekannte Zeichen des Jakobsweges. Auf den Wegmarkierungen weist dabei übrigens das Bündel der Strahlen in Richtung Santiago, die vielen einzelnen Linien symbolisieren die zahllosen unterschiedlichen Wege der Pilger.  Doch woher kommt die Symbolik der Muschel? Der Legende nach wurde der Leichnam Jakobs auf dem Schiff durch einen Reiter entdeckt. Das Pferd erschrak beim Anblick und warf den Reiter in die Fluten. Dem sicheren Tode geweiht schritt der heilige Jakob ein und rettete den Reiter. Dieser verließ anschließend das Meer, von oben bis unten mit Jakobsmuscheln bedeckt. Bis ins Mittelalter (13./14. Jahrhundert) war übrigens die Muschel gleichzeitig der Nachweis der Pilger, dass sie den Weg geschafft hatten. So kauften die Pilger nach Ende ihres Weges die Muschel an der Kathedrale oder holten sich ihr Exemplar in Finisterre direkt aus dem Atlantik. Mittlerweile wurde diese Tradition durch die Compostela, die offizielle Pilgerurkunde, abgelöst. Als Symbol des Weges, oftmals am Rucksack getragen, hat sich die Muschel bis heute erhalten und macht den Jakobspilger als solchen leicht erkennbar.

Die Compostela

Compostela aus dem Jahr 2018

Die Compostela ist als Pilgerurkunde das offizielle Dokument, welches die erfolgreich abgeschlossene Pilgerreise nach Santiago de Compostela auf dem Jakobsweg bestätigt. Ausgestellt wird die Urkunde im Pilgerbüro in der Nähe der Kathedrale. Als Nachweis hat der Pilger auf seiner Reise einen Pilgerausweis zu führen und z.B. in seinen Übernachtsungsorten oder in Kirchen stempeln zu lassen. Dieser Ausweis dokumentiert den individuellen Weg des Pilgers und dient anschließend als schöne Erinnerung. Um die Compostela zu erhalten muss man mindestens die letzten 100km zu Fuß oder alternativ die letzten 200km mit dem Fahrrad oder Pferd zurückgelegt haben. Pilger, die bei der Abgabe des Pilgerausweises angeben nicht aus religiösen bzw. spirituellen , sondern z.B. aus sportlichen Gründen gelaufen zu sein erhalten anstelle der Compostela eine separate Urkunde. Die Compostela ist auf lateinisch verfasst, bestätigt die Pilgerreise aus religiösen Gründen und nennt neben dem (möglichen) lateinischen Namen des Pilgers auch den Tag der feierlichen Ausstellung.

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