Schleusen auf für den Remstalpilger

Mit Regen werde ich wach, bei Regen laufe ich los, im Regen komme ich an. So in etwa is die Kurzfassung des heutigen Tages. ☔ Also rein in das rote Regencape, der Remstalpilger muss weiter in Richtung Pellegrue. 24 Kilometer, das sollte auch bei Regen zu schaffen sein. 💪 Motiviert ging es los!

Raus aus Sainte-Foy-la-Grande…
… und rauf auf die matschigen Felder und Wiesen des Caminos 🏃‍♂️🚿

Die Kilometer vergehen nur schleppend, da zum starken Regen auch noch ein schöner Wind einsetzt. Bei jedem kleinen Dorf hoffe ich auf eine Bushaltestelle oder Ähnliches um einen kurzen Stop einzulegen. Nichts kommt. Dann endlich ein größeres Dorf, zumindest sieht der Kirchturm danach aus – super! Doch der Camino biegt 500 Meter davor ab. 🤷‍♂️Da ich nicht weiß was kommt folge ich dem Weg und entdecke hinter einer weiteren Kurve das nächste Dorf – jetzt aber! Doch der Weg biegt wieder ab! Und zwar wieder in Richtung des ersten Dorfes, dass ich schließlich über eine große Kurve an einem anderen Ortseingang erreiche. 🙈 Tatsächlich gibt es keine Bushaltestelle aber ein Gemeindehaus mit Vordach! Dort stelle ich mich unter und genieße nach 13 Kilometern klitschnass und dreckig die Pause mit Vitaminboost durch Mandarine, Apfel und Co. 🍊🍎Dann hält ein Auto, die Beifahrerin steigt aus und will ebenfalls am Gemeindehaus unterstehen. Kein ‚Hallo‘, nur ein entgeisterter Blick was ich hier mache. ‚Naja eigentlich warte ich werktags immer gern bis es ordentlich schifft und kalt ist und dann schnapp ich mir ne Mandarine, spring durch den Matsch und esse die Mandarine dann vor dem Gemeindehaus‘. Sie wird von einem anderen Auto abgeholt. 🚙 Buen camino! Auch ich packe dann langsam wieder meinen Kram zusammen und laufe weiter. Die Handschuhe sind komplett durchgeweicht, ich komme kaum hinein. Leider wurde das Wetter auch während der Pause nicht besser. 🌧️

Blick von meinem Pausen-Gemeindehaus auf die Kirche ⛪
Und weiter geht’s! 👻
Hat hier wieder ein Pilgerbruder aufgegeben? 🙈

Nach weiteren 10 Kilometern, die mich aufwärts durch Weinberge führen erreiche ich mein Ziel. Den Zugang zur Herberge erhalte ich im örtlichen Rathaus. Dort macht mir der Azubi auf und ich tropfe erstmal das ganze Büro voll. Stempel rein in meinen Pilgerpass von einer Dame, die dem Azubi den Vorgang erklärt. Heute ist es übrigens der erste Stempel in meinem neuen Pass! Pass Nr. 1 ist bereits voll. 🌠🎉 Jedenfalls sagt sie mir das heutige Kennwort für die Tür… 1789! Ah die französische Revolution! Vor ein paar Tagen noch die Doku abends auf Youtube angeschaut und schon das Frankreichwissen aufpoliert. Sie fragt den Azubi ob er weiß, was in dem Jahr stattfand. Er weiß es nicht. Er wird rot. Sie verdreht die Augen. Ich schweige kurz, bedanke mich und laufe in Richtung Herberge! ❤️ Diese liegt auch direkt am Jakobsweg. Die Muschel am Boden ist direkt vor der Tür. Nach einem kurzen Einkauf gibt’s heute Reis mit Thunfisch, Käse, Gemüse und Baguette. Baguette nicht weil es passt, sondern weil es sein muss. Es gehört hier auch in jede Einkaufstüte. Völlig egal ob man es braucht oder nicht, das Brot muss aus der Einkaufstasche schauen, sonst entlarvst du dich als Tourist, Kulturbanause oder Beides! 🤪 Während ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben habe, dass wenigstens ein paar meiner Sachen trocknen! wünsche ich euch eine gute Nacht! Für morgen ist Regen angesagt. 🙈 Buen camino! 🏃‍♂️🌠

Blick ins Schlafzimmer…
… und auf die goldene Muschel vor der Türe. In den Städten sind die Muscheln oft am Boden installiert. ❤️

Ein Gewaltmarsch im Sonnenschein und ein Spaziergang im Regen

Nach der königlichen Nacht im Schloss war mit den neuen Schuhen gestern eine lange Etappe geplant. Rund 42 Kilometer standen auf dem Plan, da alle anderen Herbergen dazwischen leider geschlossen oder unerschwinglich waren. 😪 So ging es dann trotzdem entspannt los, nach einem Frühstück im Schloss. Von Anfang an schien die Sonne und es ging durch zahlreiche Waldwege, welche die neuen Schuhe ordentlich forderten. Fast zu entspannt nahm ich einige Pausenmöglichkeiten wahr, die sich im Wald oder an Bushaltestellen anboten. Eigentlich war dafür beim Tagesprogramm keine Zeit, um später nicht in die Dämmerung zu geraten. 🙈👣

Von Anfang an mit viel Sonne… ☀️
… durch Wald und Weiden! 🏃‍♂️

Hier eine Kekspause, dort ein Mandarinenzwischenstop – kurz darauf eine offene Bar, die mir die Möglichkeit auf frisches Koffein bietet. Wer kann da einfach weiterlaufen? Die Kilometer zogen sich wie Kaugummi – ein Ende nur schwer abzusehen. Nach 30 Kilometern dann der schwere Blick auf den Tacho: Noch 12 Kilometer bis zum Zielort ‚Fraisse‘. Die Sonne bereits auf dem Weg in Richtung Feierabend – na das wird ja super, vor allem weil die letzten 5km vor dem Ort durch Wald gehen – vielleicht doch ein bisschen schneller… So komme ich bis Kilometer 36 und schaue in meinem französischen Buch nach, wo sich die Herberge genau befindet. 🤔 Und dann passiert das Glück: Die Herberge ist auf der Karte falsch verortet, sie befindet sich in einem Vorort von Fraisse, 5 Kilometer davor – vor dem Wald! 🎉🙏 Als ich nach diesem Motivationsschub den letzten Kilometer grinsend weitergaloppiere biegt vor mir ein Auto ab – und hält an. Ein Mann steigt aus und wartet auf mich. Der Herbergsvater kommt gerade von den Kühen und sagt mir wo der Hof genau liegt. Super, denn ohne ihn hätte ich vermutlich nochmals eine Weile gesucht. 😍 So verbringe ich den Abend mit französischem Abendessen in einem Herbergszimmer für bis zu 5 Pilger. Internet ist dort allerdings kaum vorhanden – deswegen gibt’s heute auch den Doppelbericht.😎🌠

Die Sonne möchte Feierabend machen – deswegen schenkt sie mir auch ein paar Kilometer…
… und führt mich zur Herberge. 37,5km haben die neuen Schuhe mitgemacht. 👣

Heute dann das komplette Gegenteil. Von Anfang an regnet es in Strömen, dafür ist die Etappe mit knapp 23 Kilometern aber entsprechend kurz. ☔ Viele Feldwege gehen steil bergauf und bergab – teilweise haben sie sich in kleine Bäche verwandelt, alternative Wege gibt es nicht. Irgendwie komme ich durch. Schuhe und Füße machen auch mit. 🦶

Im Sommer eine Abkühlung, im Winter als Dauerregen etwas erschwerend. 🌧️ Aber jeder Kilometer führt mich weiter…
… in Richtung Santiago! Ob die Angabe stimmt? Wer weiß! ❤️

Zwar hatte die Herbergsmutter gesagt dass heute keine Jäger unterwegs sind, trotzdem knallt es ordentlich im Wald. Sehen kann ich niemand, aber es sind wieder große Geschütze – nervig… Die beschrieben Feldwegflüsse verwandeln dazu alles in eine große Matschpiste, meine Schuhe und Hose sehen entsprechend aus. Wird Zeit, dass ich ankomme… 🌧️ Den spannendsten Abstieg seht ihr im Video – da es steil bergab über große Steine ging, war ich froh als dieses Hindernis vorbei war! 🙏

Manchmal geht’s auch über Wege, die man nicht als solche erkennt…
… oder die man auch mit einem Boot zurücklegen könnte. 🚣‍♂️

Als ich kurz vor dem Zielort Sainte-Foy-la-Grande bin kommt die Sonne raus und lässt mich noch eine letzte Pause am Fluss, vor der Ankunft, einlegen. 👌

Für 5 Euro bekomme ich eine einfache Unterkunft – und ein tiefgefrorenes Steak in die Hand gedrückt. Das gab es dann zum Abendessen, aber ordentlich durchgebraten. 😛🥩 Deswegen sehen wir mal über die gewöhnungsbedürftigen Gerüche und die fehlende Klobrille hinweg. Für eine Nacht bin ich hier zuhause und genieße es, den nächsten Schritt geschafft zu haben. Heute gab es auch ein paar motivierende Zitate, welche, von einer guten Seele, an den Jakobswegschildern angebracht waren. Eines gibt’s noch als Gute-Nacht-Geschenk für euch! Schlaft gut und buen camino! 🏃‍♂️🌠

‚Es ist egal wie langsam du gehst, solange du nicht stehenbleibst‘ – Konfuzius 🚶‍♂️

Mit neuen Schuhen auf königlichen Spuren

Im leichten Nieselregen geht’s los, bereits nach 10 Minuten sind die Füße im Schuh wieder nass. 🤷‍♂️ Gut, dass es im Nachbarort einen Intersport gibt, und der Ort auch ungefähr in Richtung des Caminos liegt. Nach ca. 6 Kilometern bin ich da und finde einen jungen Mitarbeiter der mich berät. Ich bitte um ein wasserdichtes Modell, das wenigstens irgendwie bis Santiago durch- und mich einigermaßen warmhält. 🤔 Ich darf in meinen Favoriten sogar über eine Minitestrampe aus festgeklebten Steinen laufen, merke aber mit kurzem Rückblick auf die letzten 1300 Kilometer, dass dieses Testobjekt nicht wirklich das widerspiegelt, was mir weiterhin bevorsteht. 😅 Letztendlich werden es dann aber diese Treter, zur Feier des Tages auch noch ein paar Wandersocken mit Jakobsmuschel drauf – konnte nicht widerstehen. 🤷‍♂️🥾 Vor dem Laden beerdige ich die alten Schlappen unter dem Mülleimer, danke für 800 erfolgreiche Kilometer, einen blauen Zehnagel und die nicht gezählten Blasen. 👣 In neuen Schuhen und ebenso neuen trockenen Socken geht’s weiter auf die restlichen 20 Kilometer – ein guter Testlauf. 🏃‍♂️ Pünktlich dazu kommt auch die Sonne raus! 🌤️

Tschüss Freunde 🙏
Hallo ihr neuen Begleiter – bitte seid nett und haltet durch! 🎊

Nach den ersten 5 Kilometern in den Schuhen geht’s gleich rund, bergauf und bergab durch Waldwege mit vielen, unter Laub verdeckten, Stolpersteinen. Ein paar mal knicke ich leicht um, liegt aber eher am Weg als an den Schuhen. Insgesamt leisten sie heute gute Arbeit und am Abend sind keine neue Schäden an den Füßen zu sehen. 🙏

Teststrecke im Waldgebiet 🌲🌳
Und immer weiter den gelben Pfeilen und Muscheln hinterher! 🌠

Nach einigen Kilometern Wald geht es auf einem schönen und flachen Rad- und Wanderweg weiter. Entlang von Flüssen, Feldern und kleinen Gartenanlagen ist es schön zu laufen, auch wenn es auf den letzten Metern nochmals kurz anfängt zu regnen. 🌧️

Erst über Wiesen, entlang eines Flusses…
… und dann weiter auf dem schönen Rad- und Spazierweg! 🚶‍♂️🚴‍♂️

In Saint-Astier begrüßt mich die Stadt mit weihnachtlicher Brückendekoration. Der Camino ist ein Geschenk – also passt das schon. Ein Geschenk liegt auf der Straße, bevor ein Auto drüberrollt angle ich es schnell mit meinem Pilgerstab auf den Gehweg – der vorbeifahrende Bauhof gibt mir dafür winkend einen freudigen 👍. Danke Leute – ist die Revanche für meine neuen Schuhe! 😛

Nach einem kurzen Einkauf im Supermarkt geht’s weiter in Richtung Herberge – und die ist heute was ganz Besonderes! Es ist ein altes Schloss, indem Pilger eine günstige Unterkunft erhalten. 🏰 Als ich ankomme staune ich trotzdem – auch als ich das Zimmer, Küche und Speisesaal gezeigt bekomme. Eine Nacht als Pilgerkönig vom Château de Puyferrat! Wer hätte das heute morgen noch gedacht? 🎉🤴

Weihnachtszeit 🤶🎅
Und ein Blick auf meine heutige Heimat! 🏰

Standesgemäß gibt’s heute ein Mikrowellenrisotto, Karottensalat und jede Menge Kekse. Der VfB gewinnt auch 3-1! Wow! Königlich! Lang lebe der Camino! 🎉❤️ In diesem Sinne, gute Nacht und buen camino!🏃‍♂️🌠

Blick ins Esszimmer – wo sind die Schlossgespenster? 👻👻
Und in mein Pilgerzimmer – guds Nächtle! 🌟